18 Uhr 30

Und wieder einer dieser Tage. Wie schon gefühlt eine Millionen mal zeige ich dem Busfahrer beim einsteigen mein Ticket. 1 von 3, 1 von 3 schaut auch tatsächlich aufs Ticket, meist mit diesem leeren Blick, als würde er direkt durchstarren. Ich setze mich auf einen freien Platz und stell den Rucksack zwischen die Beine. Gleiches Ambiente, unertragbar die Tatsache, dass ich diese Strecke zu oft gefahren bin. Manchmal steige ich vorher aus, nur um einen neuen Weg gehen zu können, es macht mich alles krank. Eine Station gefahren und kurz davor in den Autopilot zu schalten; um all die hässlichen Gebäude nicht sehen zu müssen, oder den dreckigen Boden des Busses, der in einem gelblichen Licht schimmert, das mich fast erbrechen lässt. Doch kurz bevor ich in diesen Zustand verfallen kann, steigt sie ein. Unübliche Haltestelle, dort würde man die Sehnsucht am wenigsten erwarten. Ich rege mich keinen Zentimeter. Ist sie das? Nein! Nie im Leben, was soll sie denn hier? in dieser Stadt? Doch, es gibt keinen Zweifel mehr. Dieses Lächeln hatte sich schon vor Jahren eingebrannt. Da sitzt sie nun, eingestiegen mit einem Mann den ich grob gesagt als bessere Version von mir beschreiben würde, unwissend in welcher Beziehung sie zueinander stehen. Sie sieht so unglaublich glücklich aus, unbekümmert und in seelischem Frieden. Sie hat mich natürlich nicht gesehen, ich bin einer dieser Menschen die man nicht sieht. Aber was sollte auch passieren? Würde sie mich begrüssen und ich würde ein zwei Höflichkeitsfragen rausstottern, vermutlich noch einen schlechten Witz machen? Unerträglich diese Gedanken die mir in wenigen Sekunden durch den Kopf gehen. Wie müsste diese Situation dann nur sein, wenn die Frau tatsächlich eine Verflossene wäre? Ich stehe gefühlt vor einer Panikattacke, denn sie so unerwartet zu sehen lässt mich aus unbekannten Gründen plötzlich an allem zweifeln. Unweigerlich muss ich kurz grinsen, beim absurden Gedanken "Im nächsten Leben versuchst du es.", doch letztendlich bleibt es dann dabei, die Frau von der ich glaub(t)e sie zu lieben, für mich nur noch eine Metapher für alles was ich verpasst habe und verpassen werde, wird weiterhin nur ein trauriger Abschnitt in meinem Kopf bleiben. Letztendlich habe ich meine Gefühle doch nie verstanden. Und als sie dann aussteigt, macht sich eine Leere in mir breit, die alles was ich bin vereinnahmt und mich mit nichts stehen lässt. Seit dieser Busfahrt bin ich nicht mehr der gleiche.
31.7.14 20:57
 
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