betäubt

Immer wieder wollte ich einen Eintrag verfassen, doch es gibt einfach nichts neues. Es ist immer das gleiche mit mir, und die Tatsache mich durchschaut zu haben macht es wesentlich komplizierter. Ich fühl mich irgendwie betäubt, und wenn die Situation sich nicht ändern lässt gebe ich einfach auf und ändere nur meine Erwartung und meine Ansprüche. Und immer wieder wache ich auf muss pissen aber bin zu faul, und ich wälz mich Stunden im Bett herum, starre auf die Decke, die Flecken ergeben einmälig ein Muster, kein Grund zum aufstehen liege ich da bis es meine Blase nicht mehr erträgt, genervt vom Leben starre ich in meinem leeren Zimmer rum, die weissen Wände strafen mich mit Schweigen. Weiss seit dem Einzug, seit knapp 7 Monaten habe ich nicht ein Bild oder Poster aufgehangen, irgendein Psychologe hätte da sicher einen cleveren Spruch auf Lager, da bin ich mir sicher.
Bis hierhin habe ich meinen Eintrag gerade nochmal gelesen und festgestellt wie verwirrt ich bin, ich weiß garnicht ob da irgendwas Sinn ergibt wenn man nicht ich ist. Und selbst wenn, dann habe ich es doch nicht richtig geschafft mich auszudrücken. Es nagt einfach zuvieles an mir, alles zynisch alles grausam, aber ich habe mich dran gewöhnt. Ich habe das Gefühl ein Mensch mit einer gefährlichen Mischung von Charakterzügen zu sein. Ich bin ein absolut talentfreier Mensch, doch zugleich ein Perfektionist, der alles was er machen will direkt perfekt hinkriegen muss, sonst ist es einfach zu viel und es wird sich nicht weiter damit befasst. Ich habe nichtmal wirkliche Interessen, in deren Gebiet ich mir eine Profession suchen kann (ausgenommen Drogendealer). Neulich hat mich jemand gefragt, was mich als Kind glücklich gemacht hat. Ich konnte darauf nichtmal eine Antwort geben, klar ich hätte Fussball sagen können, doch es hat mir bei genauerer Betrachtung nur Spaß gemacht, weil ich gut dadrin war. Rundum hatte ich aber eine schöne Kindheit und konnte wahrscheinlich daher keine konkrete Antwort geben, was mich noch mehr rätseln lässt, was mit mir schief gelaufen ist. In letzter Zeit geht mir das mit dem Fussball auch nicht mehr aus dem Kopf. Da steht ein ehemaliger Mitspieler meines Vereins im Kader der deutschen Mannschaft, und ich sitze überm Aschenbecher der sich mein Leben schimpft und gucke zu, wissend, dass ich am gleichen Tag vom gleichen Bundesligaverein ein Angebot zu Probetrainings bekommen hatte. Damals war mein Vater leider nicht beim Turnier (das soll jetzt nicht vorwurfsvoll klingen) und mein Trainer hat abgelehnt weil er die Meinung vertrat, dass man sich in diesem Alter auf die Schule konzentrieren sollte. Naja, was solls. Heut hab ich die Kondition eines Bioapfels, kein Interesse Sport zu treiben, und wie ich mich kenne hätte ich wohl sowieso nicht genug Biss gehabt, um ebenfalls Profi zu werden. Aber wen würde es nicht innerlich zerfressen, wenn man schon ohne so einer Vorgeschichte neidisch auf Profifussballer ist.. Das wars von mir, rundum unbefriedigender Eintrag für eine so lange Zeit Abstinenz. Wenig Inhalt viel Gelaber.

Gute Nacht
8.7.14 02:42


18 Uhr 30

Und wieder einer dieser Tage. Wie schon gefühlt eine Millionen mal zeige ich dem Busfahrer beim einsteigen mein Ticket. 1 von 3, 1 von 3 schaut auch tatsächlich aufs Ticket, meist mit diesem leeren Blick, als würde er direkt durchstarren. Ich setze mich auf einen freien Platz und stell den Rucksack zwischen die Beine. Gleiches Ambiente, unertragbar die Tatsache, dass ich diese Strecke zu oft gefahren bin. Manchmal steige ich vorher aus, nur um einen neuen Weg gehen zu können, es macht mich alles krank. Eine Station gefahren und kurz davor in den Autopilot zu schalten; um all die hässlichen Gebäude nicht sehen zu müssen, oder den dreckigen Boden des Busses, der in einem gelblichen Licht schimmert, das mich fast erbrechen lässt. Doch kurz bevor ich in diesen Zustand verfallen kann, steigt sie ein. Unübliche Haltestelle, dort würde man die Sehnsucht am wenigsten erwarten. Ich rege mich keinen Zentimeter. Ist sie das? Nein! Nie im Leben, was soll sie denn hier? in dieser Stadt? Doch, es gibt keinen Zweifel mehr. Dieses Lächeln hatte sich schon vor Jahren eingebrannt. Da sitzt sie nun, eingestiegen mit einem Mann den ich grob gesagt als bessere Version von mir beschreiben würde, unwissend in welcher Beziehung sie zueinander stehen. Sie sieht so unglaublich glücklich aus, unbekümmert und in seelischem Frieden. Sie hat mich natürlich nicht gesehen, ich bin einer dieser Menschen die man nicht sieht. Aber was sollte auch passieren? Würde sie mich begrüssen und ich würde ein zwei Höflichkeitsfragen rausstottern, vermutlich noch einen schlechten Witz machen? Unerträglich diese Gedanken die mir in wenigen Sekunden durch den Kopf gehen. Wie müsste diese Situation dann nur sein, wenn die Frau tatsächlich eine Verflossene wäre? Ich stehe gefühlt vor einer Panikattacke, denn sie so unerwartet zu sehen lässt mich aus unbekannten Gründen plötzlich an allem zweifeln. Unweigerlich muss ich kurz grinsen, beim absurden Gedanken "Im nächsten Leben versuchst du es.", doch letztendlich bleibt es dann dabei, die Frau von der ich glaub(t)e sie zu lieben, für mich nur noch eine Metapher für alles was ich verpasst habe und verpassen werde, wird weiterhin nur ein trauriger Abschnitt in meinem Kopf bleiben. Letztendlich habe ich meine Gefühle doch nie verstanden. Und als sie dann aussteigt, macht sich eine Leere in mir breit, die alles was ich bin vereinnahmt und mich mit nichts stehen lässt. Seit dieser Busfahrt bin ich nicht mehr der gleiche.
31.7.14 20:57


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