Leben: ein egoistischer Akt

So sehr ich es versuche, manchmal schaffe ich es einfach nicht meinen Hass zu unterdrücken. Täglich wird mir das vorgelebt, was ich am meisten verabscheue, wie ich nie enden möchte, was ich hasse. Das Leben als egoistischer Akt. Der Mensch lebt, der Mensch fühlt; und weil es in der heutigen Welt scheißegal wäre, was ein Individuum empfindet, wird alles dramatisiert. Eine Beziehung kann zum Beispiel garnicht gut laufen, da der Mensch, aus Angst im Alltag zu versinken, sich Probleme macht, und diese auf dramatische und theatralische Weise an die Öffentlichkeit trägt. Denn nur das rettet den Menschen, wahrt sein Individuum. Das Wort "Akt" um das Leben zu beschreiben ist daher treffender denn je. Wir spielen alle ein Theaterstück 'Auf den Brettern die die Welt bedeuten'.

Doch wo beginnt die Notwendigkeit seine Gefühle mit anderen zu teilen? Je länger man sich dieser Frage stellt, desto mehr rückt man auf die Kernfragen des Lebens. Wer ist man, was will man, warum sind wir hier? Vom Standpunkt ausgegangen, das Ziel wäre den Menschen ein glückliches Leben zu schaffen, ist mein Gerede von der Dramatik und dem Gefühlsegoismus natürlich Unsinn. Wir sollten uns dann wohl selbst kreativ entfalten, Eindrücke teilen. Klingt für mich wie ein LSD-Rausch; wo ich jedoch wieder an Sprachskepsis angrenzen müsste, da, meiner Meinung nach, der Mensch nicht in der Lage ist sich richtig auszudrücken. Denn nichts gesprochene kann objektiv sein. Dementsprechend ist jeder Satz den der Mensch spricht ein neuer, eigener, der zuvor noch nie da gewesen war. 

Doch gehen wir von dem (meinem) Standpunkt aus, dass der Mensch als Tier seine Instinkte "befriedigen" muss, geht es im Leben einzig und allein um das Vorrankommen der Rasse, der Spezies Mensch. Gefühle sollten dort keine Rolle spielen. Der Mensch sollte keine Gefühle haben, und unzählige Utopievorstellungen verschiedenster Menschen haben uns gezeigt, dass um das Überleben der Menschen zu sichern die Gefühle unterdrückt bzw. mit Medikamenten ausgelöscht werden müssen. Die grausame Wahrheit ist doch nur, dass der Mensch einen zu hohen IQ hat um auf seine Instinkte zu hören. Wir wurden sesshaft, bauten Häuser, und inzwischen bewertet man uns nach unserem Gehalt. Doch das alles sind Luxusgüter, die der Mensch nie bräuchte. Und am Ende sind wir die einzige Rasse die sich selbst zerstört. Fazit wäre also, dass das Leben eines Individuums, und somit jener Gefühle und Empfindungen, total nichtig für das Überleben der Spezies ist.

Abschließend ein großes Paradoxon, wo ich doch all meine Gefühle in einen scheiß Internetblog schreibe, den jeder Spast lesen kann. Nein ich möchte nicht dein Freund bei Facebook sein, mich interessiert es nicht wer dein neuer Freund ist oder wie besoffen du letzte Woche warst! Ich hasse euch alle. Mich eingeschlossen.

Nachdem ich das alles nochmal durchgelesen habe, wird mir klar (Abgesehen davon, dass ich mich nicht ausdrücken kann und es wohl niemand verstehen [geschweigedenn überhaupt lesen] wird), dass ich mich zwischen Schwarz und Weiss entschieden habe. Das Verständnis und die damit zusammenhängende grausame Erkenntnis, dass ich wohl nie in der Lage sein werde, ein in euren Augen normales gefühlsbetontes Leben zu führen. Ja, ich bin alleine und werde alleine sein. War es diese Erkenntnis wert? Denn ich kann meine Gefühle in dem Sinne nicht unterdrücken. Die Sehnsucht ist es, die unsere Seele nährt.

Gute Nacht.

3.4.10 02:11


Ein besserer Mensch

"Ich würde ja gern beim Bau einer Schule in Afrika helfen,
aber ich bekomme so leicht Sonnenbrand.
Ich wäre auch gern ein besserer Mensch, aber ich weiß nicht wie.
Mir fehlt das Geld, um einer Religion beizutreten,
also trete ich weiter auf der Stelle und töte dabei wehrlose Insekten auf dem Boden.
Man möchte an Ort und Stelle im Boden versinken,
aber der asphaltierte Gehweg ist ein gutes Beispiel für deutsche Wertarbeit
und gibt nicht nach.
Nach langer Überlegung entscheide ich mich zum Hungerstreik,
aus Solidarität mit denen, die an Hunger leiden.
Ich sehe zu, wie das Essen in meinem Kühlschrank verfault.
Da aber niemand weiß, dass ich fast an Hunger sterbe,
ist der einzige Gewinn, den ich erziele,
dass ich dem Schönheitsideal ein Stück näher komme.
Egal, was man mir sagen will, ich höre nicht zu.
Das Grundrauschen ist zu laut und ich müsste mich stark konzentrieren.
Nachdem ich schon den ganzen Tag fern gesehen habe, fehlt mir dazu aber die Kraft.
Krawalle kenne ich nur aus dem Fernsehen.
Ein brennendes Auto in einem Pariser Vorort halte ich für einen Special Effect.
Es gibt einen bestimmten Schlag Menschen, der gern andere Menschen schlägt.
Ich gehe nicht mehr an den Briefkasten aus Angst vor offiziellen Schreiben.
Briefbomben und Anthrax hingegen begegne ich mit einem Lächeln.
Mit einer Sturmmaske bin selbst ich fotogen.
Selbst ich bin mir nicht sicher, ob ich jeden meiner Gedanken laut aussprechen sollte,
aber ansonsten könnte sie wohl kaum jemand hören.
Ich halte mich selbst für einen guten Gesprächspartner,
zumindest waren meine Selbstgespräche bisher immer sehr erfolgreich.
Ich kam oft genug zu Wort und hatte das Gefühl,
dass mir mein Gegenüber auch aufmerksam zuhört.
 
Ich wäre so gern ein besserer Mensch. Vielleicht sehe ich dann auch besser aus.
Ich wäre so gern ein besserer Mensch. Vielleicht sieht dann meine Welt auch besser aus.
Ich wäre so gern ein besserer Mensch. Ich würde mich bestimmt besser fühlen...
Und wenn es mir besser geht, geht es allen anderen bestimmt auch besser.
Alles andere wäre von allen anderen auch sehr egoistisch.
 
Ich bin mir sicher, dass ich meine Zeit auch weitaus besser Nutzen könnte,
aber dazu müsste ich auch ein besserer Mensch sein.
Ich könnte zum Beispiel nach Beispielen für eine sinnvollere Nutzung meiner Freizeit suchen.
Im Anschluss könnte ich andere überreden, es mir gleich zu tun.
So stelle ich mir in etwa den Ablauf eines Tages vor, wenn ich ein besserer Mensch wäre.
Aber bis dahin ist es noch ein langer Weg.
Ich nehme lieber das Fahrrad, aus Liebe zu meiner und unser aller Umwelt.
Außerdem habe ich weder einen Führerschein noch ein Auto.
Das letzte bisschen Kleingeld, dass ich für ein U-Bahnticket ausgeben könnte,
gab ich bei meiner letzten U-Bahnfahrt dem Fahrscheinkontrolleur.
Er tat mir so leid, weil er ein Fahrscheinkontrolleur ist.
Wenn ich ein wenig weniger selbstgefällig wäre,
würde ich Leuten, die mir nicht wichtig sind, auch besser gefallen.
Das scheint mir ein Schritt in die richtige Richtung zu sein.
Mein Fahrrad hat aber keinen Rückspiegel,
deshalb kann ich mir dessen auch nicht wirklich sicher sein.
Ich sehe nicht zurück.
 
Ich wäre so gern ein besserer Mensch. Vielleicht sehe ich dann auch besser aus.
Ich wäre so gern ein besserer Mensch. Vielleicht sieht dann meine Welt auch besser aus.
Ich wäre so gern ein besserer Mensch. Ich würde mich bestimmt auch besser fühlen...
Und wenn es mir besser geht, geht es allen anderen bestimmt auch besser.
Alles andere wäre von allen anderen sehr egoistisch."

 Audio88

14.4.10 20:16


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