nur kopiert.

Wir sind in die falsche Bahn eingestiegen. Nichts ließ zu Anfang unseren Irrtum erkennen; die Nummer stimmte, der Name des Zielbahnhofs lautete wie stets. Vielleicht wäre es einem aufgefallen, hätte man unterwegs den Wagen bestiegen und nicht an der Anfangsstation, wo die Freude über den gewonnenen Platz alle Vorsicht vergessen läßt. Aber sie hält nicht, diese Elektrische; wir sehen es ja: zu immer maßloseren Umdrehungen verleiten die blankgescheuerten Schienen die rasenden Räder. Die Hausfronten verwischen zu fliegendem Grau, die Straßen, die Plätze stürzen uns mit aufgescheuchten Laternenheeren entgegen. Vorbei; unbewältigt, auf ewig verworren bleibt das Vergangene zurück.

Was nützt es, den Schaffner zu fragen, wann die Zukunft beginnt? Wenn er Lust hätte zu antworten, trüge er dann einen Dienstrock? Ach, wie sinnlos gebärden die wenigen Mitreisenden sich, die aussteigen möchten. Schwiegen sie doch, lauschten sie nur: er pfeift, unser Fahrer. Den Mützenschirm auf die Nasenwurzel gedrückt, die Augen geschlossen und die Faust um die Lenkkurbel geballt, pfeift er aufs Bremsen, aufs Halten, auf alle Bedenken; nur dies ist sein Ziel: durch die Zukunft zu rasen, auf das sie Vergangenheit werde. Mag sich darüber beschweren, wer will; Empörung grenzt nur an Mittäterschaft. Nein; ich springe jetzt ab.

5.12.07 19:39


Nicht von mir

Hallende Schritte gehen durch den Raum,
doch hörn' tut man sie trotzdem kaum.
So wie der Narr dort oben steht,
und langsam Körper und Seele bewegt.

Ganz sanft und langsam Schritt für Schritt.
folgt der Hall ihm ewig mit.
Doch merkt der Narr den Hall wohl nicht.
So geht er weiter...

Schritt für Schritt.

Nun sieht er ein kleines Mädchen fein,
wie er nun sieht, ist sie am wein'n.
"Sag kleines Mädchen was ist denn los"
"Das Monster unter deinen Füßen läßst nich los!"
"Du tust dich gar irren, dort ist nichts dergleichen"
"Geh weg!, verschwinde! Sonst tut es mich erreichen!"


Der Narr geht weiter seinen Weg,
Leid und Einsamkeit ihn geprägt.
So trägt er eine off'ne Wunde,
Die gar und niemals, niemals schwindet.
Die niemand sieht, und niemand kennt,
Die niemand dem Narren sanft verbindet'.


Nun zieht er weiter im hallenden Chor,
und kommt ihm doch beinah so vor.
Als würde er dort vernehmen,
was jeder kennt, doch niemand sehet'.


Eine große Gestalt, so stockenfinster,
steht dort drüben am offnen Fenster.
"Verehrter Herr, darf ich sie bitten,
mir ihren Namen nah zu bringen?"

"Du kennst mich lang und ewig schon,
dem Monster unter deinen füßen,
dien ich als Ton"

"Von welchem Monster sprichst du gar?"
"HAU AB! GEH WEG!, Du DUMMER Narr."

Der Narr zieht weiter auf eisernem Fuß,
nichts wissend, ahnungslos.
Und doch liebeslos.

Dort hört er ein pfeifen,
im eisigen Wind.
Versucht ihn zu greifen,
entfläucht ihm geschwindt.

"Wer bist du, der du singst so schön?"
"Der Wind, der Ton, der alles ertönt!"

"Kannst du mir sagen, welches Monster haust,
unter meinen schuhen, im ewigem graus?"

"Das bist du, und auch ich der Hall gehör dazu,
So wie ich, und du, und ich, und du!"

"Dann begleite mich auf meiner Reise.."
Flüstert der Narr in den Wind ganz leise.

"Ich war immer bei dir und werd's immer bleiben,
doch solang du da bist, werd ich für dich schweigen."

Der Wind steht still und der Narr versteht,
was diese Welt für ihn verdreht'

"Es bin nich ich, der alle schreckt,
es ist der Hall der dahinter steckt"

So zog er in ein fernes Land,
wo niemand mehr den Hall verstand.

Er forschte weiter in der Rätsel beschwerdn,
doch dies ist eine andre Geschicht'
und soll ein andres mal,
erzählet werden.
16.12.07 22:05


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